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NIna Bauer

IT-Spezialistin und Redakteurin

Post-Quantum IT-Sicherheit

Wir sprechen heute über ein Thema, das in der digitalen Welt immer relevanter wird: die Post-Quanten-IT-Sicherheit. Es ist ein komplexes Feld, das viele von uns vielleicht noch nicht vollständig durchdrungen haben, aber es ist von immenser Bedeutung für unsere zukünftige digitale Sicherheit. Wir werden uns gemeinsam ansehen, was es bedeutet, wo die Herausforderungen liegen und wie wir uns darauf vorbereiten können, denn die Quantencomputer kommen, und das schneller, als viele von uns denken.

Bevor wir uns in die Details vertiefen, lass uns klarstellen, was wir unter Post-Quanten-IT-Sicherheit verstehen. Im Kern geht es darum, kryptographische Algorithmen zu entwickeln und zu implementieren, die selbst von leistungsstarken Quantencomputern nicht effizient gebrochen werden können. Stell dir vor, du spielst ein extrem kompliziertes Schloss, und dieses Schloss soll auch dann sicher bleiben, wenn dein Gegner eine Waffe hat, die alle bisherigen Schlösser im Handumdrehen öffnen kann. Das ist die Herausforderung, vor der wir stehen.

Quantencomputer als Game Changer

Du fragst dich vielleicht, warum wir uns überhaupt damit beschäftigen müssen. Die Antwort ist einfach: Quantencomputer revolutionieren die Art und Weise, wie Probleme gelöst werden können. Wo klassische Computer Bits verwenden, die entweder 0 oder 1 sind, nutzen Quantencomputer Qubits, die 0, 1 oder eine Überlagerung beider Zustände sein können. Diese Eigenschaft, zusammen mit Phänomenen wie Superposition und Verschränkung, ermöglicht es Quantencomputern, bestimmte Arten von Problemen exponentiell schneller zu lösen als ihre klassischen Pendants.

Insbesondere Algorithmen wie Shores Algorithmus können eine Bedrohung für die heute weit verbreitete Public-Key-Kryptographie darstellen, die auf mathematischen Problemen basiert, die für klassische Computer schwer zu lösen sind. Denk an die RSA-Verschlüsselung oder die elliptischen Kurven-Kryptographie (ECC), die du wahrscheinlich täglich nutzt, ohne es zu wissen, zum Beispiel beim Online-Banking oder beim Surfen auf verschlüsselten Websites.

Die aktuelle Kryptographie und ihre Schwachstellen

Wir verlassen uns derzeit auf kryptographische Verfahren, die als „schwer“ zu knacken gelten. Das bedeutet nicht, dass sie unmöglich zu knacken sind, sondern dass ein klassischer Computer milliarden von Jahren bräuchte, um den Schlüssel zu finden. Mit dem Aufkommen von Quantencomputern, die Shores Algorithmus nutzen können, könnten diese Zeiträume auf Minuten oder Stunden schrumpfen. Das wäre ein Desaster, vergleichbar mit dem plötzlichen Verschwinden aller Haustürschlüssel in einer Stadt.

Das Ziel: Quantenresistenz

Unser Ziel ist es, kryptographische Algorithmen zu finden, die diesen Quantenangriffen standhalten können. Wir suchen nach neuen mathematischen Problemen, die nicht nur für klassische Computer, sondern auch für Quantencomputer schwierig zu lösen sind. Dies ist nicht nur eine theoretische Übung, sondern eine pragmatische Notwendigkeit, um die Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität unserer digitalen Kommunikation und Daten auch in der Post-Quanten-Ära zu gewährleisten.

Warum das Thema so dringend ist

Du magst dich fragen, ob das nicht alles noch Zukunftsmusik ist. Aber wir dürfen uns nicht täuschen. Die Entwicklung von Quantencomputern schreitet rasant voran. Auch wenn heute noch kein Quantencomputer in der Lage ist, die gängigen Algorithmen zu brechen – zumindest nicht in einer realistischen Zeitspanne – müssen wir jetzt handeln.

Harvesting Now, Decrypting Later (HNDL)

Ein besorgniserregendes Szenario ist das „Harvest Now, Decrypt Later“ (HNDL), auch bekannt als „Store Now, Decrypt Later“. Stell dir vor, ein Angreifer sammelt heute alle unsere verschlüsselten Daten. Diese Daten sind heute sicher, aber wenn in zehn oder zwanzig Jahren ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer verfügbar ist, könnten diese Daten rückwirkend entschlüsselt werden. Das betrifft nicht nur Top Secret Informationen, sondern auch sensible persönliche Daten, medizinische Akten oder Unternehmensgeheimnisse, die über Jahre hinweg geschützt sein müssen. Für uns bedeutet das, dass Informationen, deren Schutz über einen langen Zeitraum gewährleistet sein muss, bereits heute einem Risiko ausgesetzt sind.

Übergangsfristen und Implementierungszeiträume

Die Umstellung auf post-quantensichere Kryptographie ist kein schneller Prozess. Wir sprechen hier von Jahren, nicht von Monaten. Es müssen neue Standards entwickelt, Algorithmen evaluiert und implementiert, Systeme aktualisiert und Mitarbeiter geschult werden. Die IT-Infrastrukturen in Unternehmen und Regierungen sind oft komplex und die Abhängigkeiten zahlreich. Ein Wechsel aller kryptographischen Verfahren erfordert eine sorgfältige Planung und Ausführung. Wir können es uns nicht leisten, das auf die lange Bank zu schieben und erst zu reagieren, wenn die Gefahr akut ist. Es ist wie der Bau eines Deiches: Wir bauen ihn, bevor die Flut kommt, nicht erst, wenn das Wasser schon in unserem Wohnzimmer steht.

Die Bedeutung für kritische Infrastrukturen

Besonders kritisch ist die Situation für Infrastrukturen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten: Stromversorgung, Telekommunikation, Verkehrssysteme, Finanzdienstleistungen. Ein Ausfall oder ein erfolgreicher Angriff auf die Sicherheit dieser Systeme hätte katastrophale Folgen. Diese Abhängigkeiten machen eine frühzeitige und umfassende Umstellung auf post-quantensichere Verfahren unerlässlich. Wir alle sind darauf angewiesen, dass diese Systeme funktionieren und sicher sind.

Welche Ansätze gibt es für Post-Quanten-Kryptographie?

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Die Forschung konzentriert sich auf verschiedene mathematische Probleme, die als quantenresistent gelten. Diese sind die Fundamente für die neuen kryptographischen Algorithmen, die wir in Zukunft verwenden werden.

Gitterbasierte Kryptographie

Dies ist einer der vielversprechendsten Ansätze. Stell dir ein Gitter als ein unendlich regelmäßiges Muster von Punkten im Raum vor. Die Sicherheit basiert auf der Schwierigkeit, bestimmte Probleme in diesen Gittern zu lösen, wie zum Beispiel den kürzesten Vektor in einem Gitter zu finden oder den nächsten Gitterpunkt zu einem beliebigen Punkt im Raum. Diese Probleme sind auch für Quantencomputer schwer. Es ist wie das Finden der Nadel im Heuhaufen, wenn der Heuhaufen unendlich groß ist und die Nadel unsichtbar. Algorithmen wie CRYSTALS-Kyber (für die Schlüsselübergabe) und CRYSTALS-Dilithium (für digitale Signaturen) basieren auf Gittern.

Code-basierte Kryptographie

Dieser Ansatz beruht auf der Theorie der Fehlerkorrekturcodes, die du vielleicht aus der Telekommunikation kennst. Das Problem ist hier, einen Fehler in einem Code zu finden, der absichtlich hinzugefügt wurde, um die Sicherheit zu gewährleisten. McEleice ist ein prominentes Beispiel für ein code-basiertes Schema. Es ist sehr alt – aus den 70er Jahren – und hat sich als äußerst robust gegen alle bekannten Angriffe erwiesen, auch gegen Quantencomputer. Der Nachteil ist jedoch, dass die Schlüssellängen oft sehr groß sind, was die Implementierung und den Datenaustausch erschweren kann.

Hash-basierte Kryptographie

Diese Algorithmen nutzen kryptographische Hash-Funktionen. Hash-Funktionen sind wie digitale Fingerabdrücke: Sie nehmen beliebige Eingaben und erzeugen daraus eine feste, kurze Ausgabe. Zwei verschiedene Eingaben sollten niemals dieselbe Ausgabe erzeugen (Kollisionsresistenz). Hash-basierte Signaturen, wie SPHINCS+ oder XMSS, basieren auf der Annahme, dass das Finden von Kollisionen in diesen Hash-Funktionen selbst für Quantencomputer schwierig bleibt. Der Nachteil ist oft, dass die Schlüssel nur für eine begrenzte Anzahl von Signaturen verwendet werden können, was die Verwaltung komplexer macht. Stell dir vor, du hast einen Stempel, aber der Stempel bricht nach jeder dritten Verwendung.

Multivariate-Polynom-Kryptographie

Hier basiert die Sicherheit auf der Schwierigkeit, Systeme von nicht-linearen Polynomgleichungen über endlichen Körpern zu lösen. Diese Probleme sind für klassische und Quantencomputer gleichermaßen herausfordernd. Der Algorithmus Rainbow war ein Kandidat in der NIST-Standardisierung, wurde aber nach einer erfolgreichen Attacke gestrichen. Es bleibt ein aktives Forschungsfeld, und du kannst davon ausgehen, dass hier noch weitere Entwicklungen kommen werden.

Isogenie-basierte Kryptographie

Dieser Ansatz verwendet mathematische Objekte, die als elliptische Kurven-Isogenien bekannt sind. Die Schwierigkeit liegt darin, die „Brücke“ zwischen zwei unterschiedlichen elliptischen Kurven zu finden. SIDH (Supersingular Isogeny Diffie-Hellman) war ein vielversprechender Kandidat, hat aber ebenfalls Angriffe erlebt, die seine Praktikabilität in Frage stellen. Dennoch ist die dahinterliegende Mathematik faszinierend und die Forschung geht weiter.

Die Rolle von Standards und Normierung

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Du siehst, es gibt viele vielversprechende Ansätze. Aber wie wählen wir aus und wie stellen wir sicher, dass sie sicher sind? Hier kommen Standardisierungsorganisationen ins Spiel.

Die NIST-Standardisierung

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA spielt eine führende Rolle bei der Standardisierung von Post-Quanten-Kryptographie. Seit 2016 läuft ein Wettbewerb, bei dem Forscher aus aller Welt ihre Algorithmen einreichen können. Diese werden dann von der globalen Kryptographie-Community intensiv analysiert und getestet. Das ist wie ein strenger Wettbewerb um die besten Sportler, bei dem jeder versucht, die Schwächen der anderen aufzudecken.

Der Prozess und seine Bedeutung

Dieser Prozess ist entscheidend für die globale Akzeptanz und Interoperabilität. Was nützt der beste Algorithmus, wenn er nicht von allen verwendet wird? Die Auswahl durch NIST gibt uns die Gewissheit, dass die gewählten Algorithmen einer gründlichen Prüfung unterzogen wurden und als sicher gelten. Die ersten Algorithmen wurden im Juli 2022 bekanntgegeben: Kyber für die Schlüsselübergabe und Dilithium für digitale Signaturen. Zwei weitere, SPHINCS+ und Falcon, wurden ebenfalls ausgewählt. Dies markiert einen wichtigen Meilenstein.

Herausforderungen bei der Standardisierung

Trotz des sorgfältigen Prozesses gibt es Herausforderungen. Die wissenschaftliche Community lernt ständig dazu, und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch ein standardisierter Algorithmus in der Zukunft angegriffen wird. Die Geschwindigkeit des Fortschritts erfordert eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung. Wir müssen flexibel bleiben und uns bewusst sein, dass Sicherheit kein statischer Zustand ist, sondern ein dynamischer Prozess.

Wie wir uns darauf vorbereiten können

Du magst dich fragen, was das alles für dich und dein Unternehmen bedeutet und was wir konkret tun können.

Inventarisierung und Risikoanalyse

Der erste Schritt ist eine umfassende Inventarisierung deiner IT-Systeme und Anwendungen, die kryptographische Verfahren verwenden. Du musst wissen, wo du verwundbar bist. Welche Daten müssen langfristig geschützt werden? Welche Systeme nutzen heute Public-Key-Kryptographie? Analysiere die Risiken und priorisiere die sensibelsten Bereiche. Das ist wie das Erstellen einer Karte deines Hauses und das Markieren aller Fenster und Türen, die ein potenzieller Einbrecher nutzen könnte.

Kryptographie-Agilität (Crypto-Agility)

Ein Schlüsselkonzept ist die sogenannte Kryptographie-Agilität. Das bedeutet, dass deine Systeme so konzipiert sein sollten, dass kryptographische Algorithmen relativ einfach ausgetauscht werden können, ohne die gesamte Architektur neu aufbauen zu müssen. Stell dir vor, du könntest einfach das Schloss an deiner Tür austauschen, ohne die ganze Tür wechseln zu müssen. Viele ältere Systeme sind hier leider sehr starr. Neue Systeme sollten von Anfang an mit dieser Flexibilität entwickelt werden.

Pilotprojekte und erste Implementierungen

Es ist ratsam, mit Pilotprojekten zu beginnen. Wähle einen nicht-kritischen Bereich aus und experimentiere mit den neuen post-quantensicheren Algorithmen. Sammle Erfahrungen mit deren Implementierung, Performance und den damit verbundenen Herausforderungen. Frühzeitig zu lernen, ist besser, als unter Druck zu handeln, wenn die Gefahr akut wird.

Schulung und Bewusstseinsbildung

Schließlich ist es unerlässlich, Mitarbeiter und Entscheidungsträger über die Bedrohungen durch Quantencomputer und die Notwendigkeit der Umstellung aufzuklären. Ohne ein ausreichendes Bewusstsein wird die notwendige Unterstützung und die Bereitstellung von Ressourcen schwierig sein. Du musst deine Mannschaft auf die kommende Seereise vorbereiten, sonst gehen sie unter, wenn der Sturm kommt.

Fazit und Ausblick

Die Post-Quanten-IT-Sicherheit ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit in der Welt der Cybersicherheit. Die Ankunft leistungsfähiger Quantencomputer wird die Landschaft der Kryptographie unwiderruflich verändern. Wir können es uns nicht leisten, abzuwarten. Die Zeitverzögerung zwischen der Entwicklung eines Quantencomputers, der unsere heutigen Algorithmen brechen kann, und der vollständigen Implementierung post-quantensicherer Lösungen ist kritisch.

Wir haben gesehen, dass es vielversprechende Ansätze gibt, von gitterbasierter bis zu hash-basierter Kryptographie, und dass Standardisierungsorganisationen wie NIST hart daran arbeiten, robuste und interoperable Lösungen zu finden. Die erste Welle von Standards ist bereits da, aber die Forschung geht weiter.

Für uns bedeutet das, dass wir jetzt handeln müssen. Inventarisierung, Risikoanalyse, die Förderung von Kryptographie-Agilität, Pilotprojekte und die kontinuierliche Schulung der Mitarbeiter sind die Schritte, die wir heute unternehmen können. Es ist ein Marathon, kein Sprint, aber es ist ein Marathon, den wir gewinnen müssen, um unsere digitale Zukunft zu sichern. Die Herausforderung ist groß, aber wir sind zuversichtlich, dass wir durch gemeinsame Anstrengungen und kontinuierliche Forschung die Sicherheit unserer digitalen Welt auch in der Post-Quanten-Ära gewährleisten können.

FAQs

Was versteht man unter Post-Quantum IT-Sicherheit?

Post-Quantum IT-Sicherheit bezieht sich auf Schutzmaßnahmen und Verschlüsselungstechniken, die auch gegen Angriffe von Quantencomputern resistent sind. Da Quantencomputer in der Lage sein könnten, viele der heute verwendeten kryptografischen Verfahren zu knacken, entwickelt man neue Algorithmen, die auch in einer Post-Quantum-Ära sicher bleiben.

Warum ist Post-Quantum IT-Sicherheit wichtig?

Quantencomputer haben das Potenzial, klassische Verschlüsselungen wie RSA oder ECC zu brechen, was die Sicherheit von Daten und Kommunikation gefährden würde. Post-Quantum IT-Sicherheit stellt sicher, dass sensible Informationen auch in Zukunft geschützt bleiben, selbst wenn leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind.

Welche Algorithmen werden in der Post-Quantum-Kryptografie verwendet?

Zu den wichtigsten Post-Quantum-Algorithmen gehören Gitter-basierte Kryptografie, Code-basierte Kryptografie, Multivariate Gleichungssysteme und Hash-basierte Signaturen. Diese Algorithmen sind so konzipiert, dass sie auch gegen Quantenangriffe sicher sind.

Wie kann ich mich auf Post-Quantum IT-Sicherheit vorbereiten?

Du kannst dich vorbereiten, indem du dich über aktuelle Entwicklungen informierst, auf Software-Updates achtest, die Post-Quantum-Algorithmen implementieren, und bei der Auswahl von Sicherheitslösungen auf Anbieter setzt, die Post-Quantum-Sicherheit berücksichtigen.

Wann wird Post-Quantum IT-Sicherheit voraussichtlich Standard sein?

Die Standardisierung von Post-Quantum-Kryptografie ist bereits im Gange, zum Beispiel durch das NIST (National Institute of Standards and Technology). Es wird erwartet, dass in den nächsten Jahren erste Post-Quantum-Standards veröffentlicht und zunehmend in IT-Systeme integriert werden. Ein flächendeckender Einsatz könnte jedoch noch einige Jahre dauern.

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